Tipps zur Pflanzzeit im Herbst

Ran an den Spaten

Gartengestalter Ottmar Hübner erklärt, warum jetzt Pflanzzeit ist

„Jetzt ist Pflanzzeit“. Diese Feststellung kennen viele Gartencenterkunden – allerdings aus dem Frühjahr. Doch für Gartenprofis wie Ottmar Hübner, Gärtner von Eden aus Stiefenhofen, stimmt das nur sehr bedingt, denn eigentlich beginnt die klassische Pflanzzeit im Herbst.

Nach einem langen, kalten Winter steigt die Lust von Gartenbesitzern auf frisches Grün und die ersten bunten Blüten natürlich fast ins Unendliche. Sie wollen endlich wieder raus und in der Erde wühlen. Dem entsprechend groß ist zum Frühlingserwachen dann auch der Andrang in Gartencentern, Bau- und Pflanzenmärkten. Aus Sicht des professionellen Garten- und Landschaftsbaus allerdings beginnt die eigentliche Hauptpflanzzeit jetzt, im Herbst. „Für Gehölze, Solitäre und größere Heckenpflanzen ist jetzt genau die richtige Zeit“, betont auch Ottmar Hübner. Er ist Gartengestalter und Mitglied der Gärtner von Eden, eines genossenschaftlichen Zusammenschlusses von rund 60 Gartengestaltern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich auf die Gestaltung anspruchsvoller privater Gärten spezialisiert haben.

Mehr Qualität und Zeit
Hauptgrund, warum Profis vorzugsweise im Herbst und Winter pflanzen, ist die Qualität der Pflanzen: „Wir pflanzen ja vor allem Ballenware“, so Hübner. Im Gegensatz zu so genannten Containerpflanzen, die in Töpfen gezüchtet werden, wurzelt Ballenware direkt im Erdreich, hat also reichlich Platz, ein dichtes und fein verästeltes Wurzelwerk zu entwickeln, was für eine optimale Versorgung mit Wasser und Nährstoffen wichtig ist. Da diese feinen Wurzeln aber beim Abstechen der Pflanze zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen werden, darf dies erst nach Ende der Vegetationsperiode, also im Herbst, erfolgen. „Die Pflanzen können dann problemlos verpflanzt werden – und das eigentlich den ganzen Winter über, sofern es nicht friert“, erklärt Edengärtner Ottmar Hübner.  Das gilt im Übrigen auch für Pflanzen aus dem eigenen Garten, die an einen anderen Standort umgesetzt werden sollen. „Neben der Pflanzenqualität ist ein weiterer großer Vorteil der Herbstpflanzung, dass die Pflanze sich, wenn dann im Frühjahr die Vegetationsperiode beginnt, schon gut akklimatisiert hat und gleich voll im Saft steht. Man gewinnt also Zeit“, so der Gartenprofi weiter. Wer seinen Pflanzen noch vor dem Winter eine Extraportion Nährstoffe mitgeben will, sollte in jedem Fall auf organische Dünger setzen, die nur sehr langsam und unabhängig von Temperatur und Bodenleben freigesetzt werden und damit ihre Wirkung erst Richtung Frühjahr voll entfalten.

Frostschutz nicht vergessen
Eins sollte man nicht nur bei Pflanzen, die im Herbst gepflanzt werden, nicht vergessen: das Gießen, denn: „Die meisten Pflanzen, die den Winter nicht überstehen, sind nicht erfroren, sondern vertrocknet“, warnt Hübner. Und ganz unabhängig davon, wann gepflanzt wird, gilt, dass Standortbedingungen und Ansprüche der Pflanzen zusammenpassen müssen: „Mediterranes braucht in jedem Falle einen Winterschutz und selbst der als so unempfindlich geltende Kirschlorbeer verträgt definitiv keine frostige Zugluft“, fasst Ottmar Hübner zusammen.

Stichwort Sommerpflanzung
All denen, die jetzt keine Zeit zum Pflanzen haben oder mit ihrer Gartenumgestaltung noch nicht so weit sind, empfiehlt der Gartenprofi, auf so genannte vorbereitete Ware zu setzen. Diese kann jetzt in der Baumschule ausgesucht und gestochen werden, der Ballen wird mit einem dicken Jutegewebe umhüllt und an eine Tropfbewässerung angeschlossen. So kann die Pflanze im Jutegewebe nicht wieder einwurzeln, wird aber trotzdem deutlich besser mit Wasser und Nährstoffen versorgt als in einem Topf und wächst weiter. Wenn der Garten dann soweit ist, dass die Pflanze an ihren Bestimmungsort kommen kann, wird sie in der Baumschule abgeholt und samt Gewebe, das allmählich verrottet, eingesetzt.