Stauden & Gräser

Gut komponiert?

Ohne sie kommt eigentlich kein Garten aus: Stauden sind das Herzstück fast jeden Beetes. Doch dass sie so allgegenwärtig sind, heißt nicht, dass der Umgang mit ihnen immer kinderleicht ist. Für ein sorgsam komponiertes Staudenbeet braucht es viel Fachwissen.

Spätestens jetzt im Spätsommer schlägt die Stunde der Wahrheit. Der Blick ins Staudenbeet offenbart, ob hier fachkundig komponiert oder eher impulsiv gepflanzt wurde. Denn: Die Blühsaison rüstet zum großen Finale, und in manch einem Garten, in dem die Rabatten blütenhungrig zu Beginn des Frühjahrs gefüllt wurden, ist nichts als Grün zu sehen. Wer hingegen überlegt gepflanzt hat, wird bis weit in den Herbst hinein mit Farbenpracht belohnt.

So paradox es klingen mag, häufig verhält es sich im Staudenbeet so: Wenn eine Rabatte harmonisch, natürlich und geradezu mit leichter Hand komponiert wirkt, wurde sie in aller Regel besonders sorgfältig geplant. Denn die Kombination verschiedener Farben, Blühzeitpunkte, Wuchshöhen und Strukturen ist eine ästhetische Gratwanderung, die nicht jeder beherrscht. Und so sollten vor jeder Staudenpflanzung ein intensiver Denkprozess und eine sorgfältige Auswahl stehen, denn viele Beete erzielen deshalb nicht die gewünschte Wirkung, weil zu viele unterschiedliche Sorten auf zu kleinem Raum gepflanzt wurden oder einfach für den Augenblick komponiert, aber nicht bedacht wurde, wie das Beet in drei vier, fünf Monaten aussehen soll. Beschränkung auf einige Sorten, die zum Teil gleichzeitig, zum Teil aber auch nacheinander ihre Blüten zeigen, sollte also die Devise sein. Werden die dann in Mengen gepflanzt, kann ein Staudenbeet mit toller Fern- und Langzeitwirkung entstehen.

Allerdings ist es schwierig, angesichts unzähliger Sorten, den Blick für das große Ganze zu bewahren, und neben dem Wissen um die Ansprüche und Eigenschaften jeder Sorte braucht man für gelungene Kompositionen immer auch ein Ohr ganz nah am Puls der Gartenzeit, denn Jahr für Jahr warten Züchter, Produzenten und Importeure mit unzähligen Neuheiten auf, die zum Teil massenhaft angeboten werden. Doch in der Praxis zeigt sich: Vieles von dem, was im ersten Jahr schön aussieht, hält auf Dauer nicht das, was es verspricht. Und so ist es bei Stauden wie bei vielen anderen Produkten auch: Erfahrung und Fachwissen helfen, teure und nervige Fehlkäufe zu vermeiden.

Wer aber vor dem Pflanzen nachdenkt, sich vielleicht sogar fachkundige Unterstützung bei einem Gartengestalter holt, wird mit Blütenpracht vom ersten bis zum letzten Tag der Gartensaison belohnt – und das jedes Jahr aufs Neue. Denn eine der wesentlichen Eigenschaften von Stauden ist, dass sie mehrjährig sind, und sich so die einmal erarbeitete Komposition über Jahre entwickeln kann.

Einen richtigen Boost bekommen spätsommerliche und herbstliche Staudenbeete übrigens, wenn man Stauden mit Gräsern kombiniert. Das ist derzeit nicht nur schwer in Mode, sondern sieht in nahezu jedem Garten einfach umwerfend aus. Und Gräser sorgen sogar noch für eine weitere Verlängerung der Gartensaison, denn wenn man auf den spätherbstlichen Rückschnitt verzichtet, bilden sie auch noch im winterlichen Garten wunderschöne Blickfänge.